KOLONIALISMUS UND WIDERSTAND
Koloniale Herrschaft wurde von den betroffenen Gesellschaften niemals ohne Widerstand hingenommen. Auch wenn europäische Mächte große Teile der Erdoberfläche formal besetzten, waren die Menschen vor Ort zu keinem Zeitpunkt rein passive Betroffene. Sie verstanden es geschickt, Handlungsspielräume für antikolonialen Widerstand zu nutzen – auch direkt in Europa. Denn die Auswirkungen des Kolonialismus blieben nicht auf die ehemaligen Kolonien beschränkt, sondern hinterließen tiefe Spuren im Aachener Stadtbild. Dieser Rundgang dekonstruiert eurozentrische Narrative und rückt die Handlungsmacht jener Kräfte in den Fokus, die sich der kolonialen Ordnung aktiv widersetzten.
Hinweis: Dieser Rundgang kann nach vorheriger Absprache auch in englischer Sprache durchgeführt werden.
Inhaltliche Schwerpunkte und Stationen:
- Hauptgebäude der RWTH – Wissenschaft & Protest: Verflechtung lokaler Forschung mit dem Kolonialismus (z. B. Max Eckhardt) im Kontrast zu antikolonialen Protesten internationaler Studierender nach der Ermordung von Patrice Lumumba.
- Ehemaliges Missionsmuseum: Funktion ethnologischer Ausstellungen, Gewaltkontexte (Boxeraufstand) und die aktuelle Debatte um Restitution und die Kolonialisierung musealer Räume.
- Internationales Zeitungsmuseum (Pontstraße) – Propaganda & Selbstbehauptung: Rassistische Medienkampagnen gegen Kolonialsoldaten im Ersten Weltkrieg, ihr Nachwirken in der NS-Zeit sowie Gegenstimmen und Lebensgeschichten (z. B. Louis Brody).
- Haus Monheim / Couven Museum – Handelsbeziehungen & Befreiungskampf: Konsumgeschichte von Kolonialwaren, Verflechtung mit dem Plantagensystem und die Haitianische Revolution (1791) als Beispiel für antikolonialen Widerstand.
- Haus zum M. – Sprach-Erbe & koloniale Amnesie: Rassistische Fremdbezeichnungen im öffentlichen Raum, koloniale Kontinuitäten und die kritische Reflexion des Alltags.
- Kolonialismus im Karneval: Spurensuche zum reichsdeutschen Kolonialismus und rassistischen Stereotypen im historischen Straßenkarneval von 1850 bis in die Gegenwart.
Methodischer Ansatz und Gegenwartsbezug
Der Rundgang bricht durch gezielte Exkurse eine rein eurozentrische Sichtweise auf. Um eine bloße Darstellung der Kolonisierten als wehrlose Opfer zu vermeiden, wird die aktive Handlungsmacht (Agency) von Akteuren aus dem Globalen Süden betont, welche die koloniale Ordnung stets herausforderten. Zudem schlagen Diskussionen über „digitalen und grünen Kolonialismus“ sowie heutige Rohstoffextraktionen eine Brücke zu den globalen Machtverhältnissen der Gegenwart.
Organisatorische Eckdaten
Dauer: ca. 120 Minuten
Strecke: Barrierearmer Rundweg in der Aachener Innenstadt
Treffpunkt: Bekanntgabe bei Buchung
Zielgruppe: Studierende, Bildungsträger, Volkshochschulen (VHS), NGOs, geschlossene Fachgruppen sowie Jugendliche in der Sekundarstufe II (ab 16 Jahren)